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Schutzkonzept

Schutzkonzept der Vesperkirche Bielefeld

Einleitung 

Die Vesperkirche in Bielefeld findet jährlich im Februar in Neustädter Marienkirche statt.

Grundsätzlich gilt – wie für alle Veranstaltungen in der Neustädter Marienkirche – das Schutzkonzept der Gemeinde, das aktuell erarbeitet wird. Nach Fertigstellung wird ein entsprechender link dazu auf der Homepage der Vesperkirche Bielefeld eingestellt.

Um im Kontext der Vesperkirche den Schutz Aller so gut als möglich zu gewährleisten, wurde im Vorfeld durch das Leitungsteam der Vesperkirche Bielefeld eine Risiko- und Potentialanalyse durchgeführt. Außerdem wurden spezifische Abläufe besprochen.

Die Ergebnisse dieses Prozesses werden hier vorgestellt.

Dabei verstehen wir im Folgenden als 

  • Gäste“ alle Personen, die die Vesperkirche zum Essen und Begegnen zwischen 11.30 Uhr und 14 Uhr besuchen,
  • Mitarbeitende“ alle, die im Leitungsteam, in den Projektgruppen oder mit bestimmten Aufgaben – z.B. Küsterin-Dienste, Kaffeeausschank, im Team der Seelsorgenden (lila Westen), der Beratenden (blaue Westen), beim Mittagsimpuls oder bei Abendveranstaltungen - in der Vesperkirche mitarbeiten
  • und als „Freiwillige“ alle, die an ein bis zwei Tagen eine Aufgabe beim Willkommen und Bedienen der Gäste bei dem Essen an den Tischen übernehmen.  

 

Verhaltenskodex

Die Vesperkirche Bielefeld hat zum Ziel

  • eine würdevolle Begegnung zu ermöglichen.

  • jeden Menschen zu respektieren und willkommen zu heißen, unabhängig von Religion, Nationalität oder wirtschaftlicher Situation.

  • ein würdevolles Miteinander aller Menschen in Bielefeld zu fördern und Barrieren abzubauen.  

Von den Gästen der Vesperkirche wird das Respektieren dieser Ziele erwartet. Bei allen Mitarbeitenden und Freiwilligen wird das Anerkennen und Unterstützen dieser Ziele vorausgesetzt.

An unterschiedlichen Orten in der Vesperkirche werden die Aushänge mit Kurzinformationen zum angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz verbreitet. 

 

Risiko- und Potentialanalyse 

Die Risiko- und Potentialanalyse wurde mittels eines Fragebogens mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten mit Blick auf Mitarbeitende, Freiwillige und Gäste Räumlichkeiten, Inhalte/besondere Themeneinen möglichen Vorfall und die Veranstaltung als Ganze durchgeführt.

Es wurde deutlich, dass es bereits eine Vielzahl erprobter und praktikabler Abläufe gibt, die präventiv wirksam sind und einen guten Schutz darstellen. Gleichzeitig gibt es sensible Bereiche und Situationen, denen gegebenenfalls durch geeignete Maßnahmen begegnet werden soll. Manche Situationen sind jedoch nicht aufzulösen und bedürfen bei der Durchführung besonderer Aufmerksamkeit und Sensibilität.

Die Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.

 

Räumlichkeiten

Die Vesperkirche findet in der Neustädter Marienkirche in der Innenstadt von Bielefeld statt. Folgende Räumlichkeiten werden vom Leitungsteam im Rahmen der Vesperkirche als besonders kritisch angesehen und - sofern bereits möglich - Maßnahmen benannt, um Risiken zu minimieren: 

  • Sakristei: Die Sakristei, die von Freiwilligen als Garderobe genutzt wird, soll bei Nichtnutzung verschlossen sein, die Tagesleitung hat einen Schlüssel und kann so kontrollieren, wer den Raum betritt.
  • Marienkapelle: In der Marienkapelle soll stets ein Mitglied des Marienkappellen-Teams präsent sein.
  • Küche hinter dem Altar: Die Tür soll bei Nichtnutzung geschlossen bleiben.
  • WC-Bereich im Gemeindehaus: Die Räume mit den WCs befinden sich etwas versteckt im Keller des Gemeindehauses gegenüber der Kirche. Hier kann es gegebenenfalls zu unbeobachteten Momenten und unguten Situationen kommen. Die regelmäßige Kontrolle der Räumlichkeiten durch die Reinigungskräfte wirkt dem entgegen.
  • Bereich hinter der Orgel: Auch hier kann es zu unbeobachteten Situationen kommen. Dieses sollen Mitarbeitende im Blick behalten.
  • Enge für alle Anwesenden in der Warteschlange und Wärmezelt draußen als auch drinnen im Eingangsbereich der Kirche beim Begrüßen: Diese Situation kann aufgrund der Vielzahl der Gäste räumlich nicht verhindert werden. „Achtsame Wahrnehmung“ und ggf. entsprechendes Hinweisen bei zu viel Enge ist besonders von denen gefordert, die beim Begrüßen draußen in der Warteschlange und drinnen im Eingangsbereich als auch bei der Bildung von Tischgruppen mitarbeiten.

 

Der Blick auf das Programm

Während der täglichen Öffnungszeiten kann es in der Vesperkirche auch zu schwierigen Situationen oder Streit kommen. Besonders benannt im Rahmen der Risikoanalyse wurden hier

  • Gestresste Mitarbeitende oder Freiwillige, die ihren Frust „rauslassen“
  • Diskussionen um die Einteilung der Tische
  • Kommunikation der Tischregeln
  • Frustverhalten, weil z.B. das Essen nicht schmeckt oder nicht eingepackt werden darf.

Auch in diesen Situationen gilt es für alle, achtsam und wertschätzend wahrzunehmen, wer wie unterwegs ist als Gäste, Freiwillige oder Mitarbeitende, gegebenenfalls frühzeitig zu intervenieren oder Hilfe hinzuzuziehen. 

Neben dem täglichen Angebot zur gemeinsamen Mahlzeit in der Vesperkirche gibt es ein begleitendes vielfältiges Kultur- und Gottesdienstprogramm. Auch hier gilt es, einen kritischen Blick auf mögliche Situationen zu werfen, die für die oder den Einzelne*n gegebenenfalls belastende Risiken bieten können.

Um diesem entgegenzuwirken, sollen möglichst bei allen Angeboten auch Seelsorgende präsent sein. Diese sind durch ihre lila Westen erkennbar. Bei einzelnen Angeboten (z.B. dem Theaterabend) können weitere Ansprechpersonen für Fragen zu Achtsamkeit anwesend sein und entsprechend vorgestellt werden.

Im Rahmen des Mittagsimpulses wird darauf geachtet, dass sich niemand durch mögliche Erwartungen von Bewegungsfähigkeit ausgeschlossen fühlt.

Die Mitarbeitenden haben alle Gäste der Veranstaltungen so gut es geht im Blick und versuchen kritische Situationen möglichst frühzeitig zu erkennen. Im Zweifel wird ein*e zweite*r Mitarbeitende*r hinzugezogen. In schwierigen Situationen nehmen sich die Mitarbeitenden Zeit und Ruhe, die es zur Klärung braucht.

Um zu verhindern, dass Menschen ohne ihre Zustimmung fotografiert werden, wird im Eingangsbereich auf dem Schutzkonzept-Aushang darauf hingewiesen.

 

Fortbildungen

Nur ein kleiner Teil der über 300 Freiwilligen hat bislang eine Grundlagenschulung zur Prävention sexualisierter Gewalt nach Hinschauen Helfen Handeln besucht.

Die vollumfängliche Schulung aller Freiwilligen ist ein langwieriger Prozess und weder durch die Multiplikator*innen leistbar, noch kann von den Menschen, die sich freiwillig für nur wenige Stunden engagieren, erwartet werden, dafür eine 4 bis 5 stündige Schulung zu besuchen.

Insbesondere die im Leitungsteam Mitarbeitenden sollen geschult werden. Dieses erfolgt im Laufe des Jahres im Rahmen einer der zentralen Schulungen beim Kirchenkreis Bielefeld.

Nachgehalten wird dieses durch ddie Projektleitung der Vesperkirche.

 

Personalverantwortung

Weisungsbefugt und verantwortlich sind gegenüber den Hauptamtlichen die jeweiligen Dienstvorgesetzten und gegenüber den Freiwilligen die jeweilige Tagesleitung der Vesperkirche. 

 

Partizipation

Partizipation ist ein entscheidender Baustein zur Prävention von Gewalt und Machtmissbrauch jedweder Ausprägung. Echte Partizipation stärkt die Position von Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen und verringert bestehende Machtgefälle.

Die Organisation und Durchführung der Vesperkirche erfolgt maßgeblich durch eine große Anzahl sich freiwillig engagierender Menschen. Die im Laufe der Jahre gewachsenen Strukturen ermöglichen eine vielschichtige und maßgebliche Mitsprache Aller. Es besteht allgemein die Überzeugung, dass im Rahmen der Vesperkirche ein guter Austausch zwischen allen Beteiligten besteht. Dies weiter zu fördern und zu forcieren und so zu guten Ergebnissen zu gelangen, ist das gemeinsame Ziel.

 

Prävention

Der Kreis der Freiwilligen in der Vesperkirche ist sehr vielfältig. Menschen mit unterschiedlichen persönlichen Bedürfnissen sind vertreten. Hier gilt es, Personen mit gegebenenfalls auch besonders vulnerablen Eigenschaften adäquat einzubeziehen. Gleichzeitig wird von allen Freiwilligen und Mitarbeitenden grenzachtendes Verhalten erwartet. 

Eine Sensibilisierung hierfür erfolgt im Rahmen der täglichen Einführung aller Freiwilligen. Eventuell auftretende Schwierigkeiten diesbezüglich sollen offen und ggf. mit Einbezug der Tagesleitung angesprochen werden.

Insgesamt besteht durch die Diversität im Freiwilligenteam auch in Bezug auf Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Stressresilienz die Gefahr der Überforderung. Diesem wird durch die leitenden Mitarbeitenden entgegengewirkt, indem z.B. auf Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten hingewiesen und unterstrichen wird, dass es in der Vesperkirche nicht um eine bestimmte Leistung oder Schnelligkeit geht, sondern um würdevolle Begegnung und fehlerfreundliche Teamarbeit.

Als Prävention bezeichnen wir alle Maßnahmen, die zur Vorbeugung und Verhinderung von 

sexualisierter Gewalt und von Machtmissbrauch beitragen. Konkret bedeutet dies für die Vesperkirche:

  • Die Mitarbeitenden werden für das Thema sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch sowie die Unterschiedlichkeit der Menschen, die in der Vesperkirche mitarbeiten bzw. sie besuchen, sensibilisiert.
  • Die Kommunikation und Zusammenarbeit in der Vesperkirche verläuft transparent.
  • Die Beschwerdemöglichkeiten werden gut kommuniziert
  • Alle Freiwilligen werden über Regeln zum angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz informiert 

Das Feedback erfolgt regelmäßig und systematisch auf unterschiedlichen Ebenen, in der gemeinsamen Schlussrunde an jedem Tag, Mitarbeitende und Gäste werden zu Rückmeldungen aufgefordert (Mitarbeitende bereits im Rahmen der Tageseinführung) sowie auf Leitungsebene zusammen mit der Gesamtauswertung wenige Wochen nach der Vesperkirche.

 

Beschwerdeverfahren

Hier gilt es zwei verschiedene Personenkreise zu beachten:

  1. Mitarbeitende (mit unterschiedlichem Aufgabenumfang und Verantwortung)
  2. Gäste der Vesperkirche
Zu 1.: 
  • Alle Freiwilligen werden bei den beiden Vorbereitungstreffen im Januar und dann bei der täglichen Einführung vor Öffnung der Vesperkirche darauf aufmerksam gemacht  und dass die Tagesleitung bei Problemen ansprechbar ist.
  • Des Weiteren werden sie bei der täglichen Schlussrunde der Freiwilligen eingeladen, dem Leitungsteam Feedback zu geben (per Rückmeldekasten oder persönlich). Feedback wird im diensthabenden Team aufgenommen und bei Bedarf Maßnahmen (wie direkte Kontaktaufnahme) ergriffen.

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Runde der Verantwortlichen der Vesperkirche Bielefeld gut und strukturiert zusammenarbeitet. Der beschriebene Ablauf funktioniert gut und alle Mitarbeitenden und Freiwilligen wissen, an wen sie sich mit Anliegen jedweder Art wenden können. Beschwerden kann so zeitnah und effizient begegnet werden. Es gibt auch jeweils eine Rückkoppelung und Rücksprache mit Menschen aus dem Leitungsteam, wenn dieses notwendig ist.

Als zusätzliche Maßnahmen soll erprobt werden:

  • eine anonyme Beschwerdemöglichkeiten über eine QR-Code auf der Homepage der Vesperkirche und als Aushang (in das Awareness-Plakat integriert)
  • ein sichtbarer Aushang mit wesentlichen Aussagen des Schutzkonzeptes und zu Awareness für Gäste und Freiwillige            
    a: im Eingangsbereich der Kirche,
    b: an den inneren WC-Türen im Gemeindehaus, 
    c: in der Garderobe für Freiwillige (= Sakristei in der Kirche) als auch 
    d: im Zelt vor dem Eingang der Kirche, das vor Kälte schützt;
  • die Tagesleitung erhält ein Namensschild mit einem farblich auffälligen grün-blauen Umhänge-Band, damit diese Person jeweils leicht erkennbar und ansprechbar wird.
Zu 2.:

Beschwerdemöglichkeiten für die Gäste der Vesperkirche bestehen bisher persönlich über die Tagesleitung und Freiwillige und schriftlich über die Rückmeldewand.

Diese Möglichkeiten sollen durch die oben genannten Maßnahmen auch für die Gäste der Vesperkirche erweitert werden.

 

Notfallplan/Handlungsleitfaden

Dieses Schutzkonzept hat zum Ziel, präventiv zu wirken und Vorfälle sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch zu verhindern. Trotzdem kann es zu Situationen kommen, die eine Intervention notwendig machen. In diesem Falle ist auch das Schutzkonzept der Neustädter Marienkirchengemeinde zu beachten.

Grundsätzlich gilt für alle Mitarbeitenden der Vesperkirche die Meldepflicht

Der begründete Verdacht der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung im Rahmen  der gemeinsamen Arbeit in der Vesperkirche führt zwingend zu einer umgehenden Meldung an die Meldestelle der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).

Die Meldestelle kann auch im Vorfeld einer Meldung (ggf. anonym) kontaktiert werden, um einen Sachverhalt zu klären, beziehungsweise um zu klären, ob es sich um einen begründeten Verdacht handelt. Bei Beratungsbedarf werden außerkirchliche Fach- und Beratungsstellen hinzugezogen. Im konkreten Verdachtsfall und bei Kenntnis einer Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung muss jedoch die Meldestelle der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) umgehend informiert werden.

Das Leitungsteam ist über die notwendigen Abläufe informiert, wenn es schnelle Entscheidungen im Rahmen der Vesperkirche braucht. Grundsätzlich hat die jeweilige Tagesleitung Hausrecht und ist verantwortlich für die notwendige Kommunikation und Intervention im Krisenfall. Hierbei geht es ausdrücklich nicht nur, aber auch um Vorfälle sexualisierter Gewalt.

 

Kooperation mit Fachstellen

An der Durchführung der Vesperkirche ist u.a. die Diakonie für Bielefeld beteiligt. Diese ist auch ansprechbar bei Beratungsbedarf: Schildescher Str. 101, 33611 Bielefeld, Tel.: 0521-98892500

Evangelische Kirche von Westfalen:
Interne Ansprechpartnerin: Dr. Britta Jüngst
Ansprechstelle: Altstädter Kirchplatz 5, 33602 Bielefeld
Mobil: 0151 57659323 Email: britta.juengst@ekvw.de

Externe Ansprechstelle:
Wildwasser Bielefeld e.V. als unabhängige externe Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt im Kontext der ev. Kirche von Westfalen und der ev. Kirche im Rheinland.
Sprechzeit immer montags von 15.00-16.30 Uhr unter 0521 5573466
E-Mail: ansprechstelle@wildwasser-bielefeld.de

Nähere Informationen auf der Internetseite der EKvW:
https://www.evangelisch-in-westfalen.de/angebote/umgang-mit-verletzungen-der-sexuellen-selbstbestimmung/

 

Qualitätsmanagement

Eine Evaluation dieses Schutzkonzeptes erfolgt im Rahmen der Evaluation der gesamten Vesperkirche im Nachgang dazu. Verantwortlich ist das Leitungsteam der Vesperkirche.

 

Bielefeld, 2. Februar 2026 – Leitungsteam der Vesperkirche Bielefeld